THC-Gehalt: So stark wurde Gras in 30 Jahren

Titelbild: THC-Gehalt – so stark wurde Gras in 30 Jahren

Der THC-Gehalt von Cannabis hat sich in den letzten drei Jahrzehnten dramatisch veraendert. Was in den Neunzigern als durchschnittliches Gras galt, wuerde heute als schwaches Material durchgehen — und was heute als Standard verkauft wird, haette damals jeden Rekord gebrochen. Die Zahlen dahinter sind gut dokumentiert: Grosse Analysereihen aus den USA und Europa zeigen, dass sich der THC-Gehalt von beschlagnahmtem Cannabis seit 1995 verdreifacht hat. In diesem Artikel schauen wir uns die Daten genau an: Woher stammen sie, was treibt die Entwicklung an, welche Rolle spielen Zucht und Indoor-Anbau — und warum CBD Blueten von dieser Aufruestung ausgenommen sind. Du bekommst die komplette Geschichte einer stillen Eskalation, die kaum jemand bewusst mitverfolgt hat.

Was der THC-Gehalt ueberhaupt aussagt

Tetrahydrocannabinol, kurz THC, ist das Cannabinoid, das fuer die berauschende Wirkung von Cannabis verantwortlich ist. Der THC-Gehalt gibt an, wie viel Prozent des Trockengewichts einer Bluete oder eines Haschisch-Stuecks auf diesen Wirkstoff entfallen. Ein Wert von 10 Prozent bedeutet: In einem Gramm Material stecken rund 100 Milligramm THC.

Gemessen wird der THC-Gehalt im Labor, meist per Chromatographie. Die chemischen Eigenschaften des Molekuels sind in der Datenbank PubChem oeffentlich dokumentiert. Wichtig fuer die Einordnung: Der THC-Gehalt sagt nichts ueber Qualitaet, Aroma oder Sortencharakter aus — er beziffert nur die Potenz.

Die USA-Daten: von 4 auf 12 Prozent in 20 Jahren

Die laengste durchgehende Messreihe stammt aus den USA. Das Team um den Chemiker Mahmoud ElSohly analysiert seit Jahrzehnten Cannabis-Beschlagnahmungen der Drogenbehoerde DEA. Die Auswertung von fast 39.000 Proben zwischen 1995 und 2014 ist als Studie frei zugaenglich (ElSohly et al., Biological Psychiatry).

Das Ergebnis: 1995 lag der durchschnittliche THC-Gehalt der Proben bei rund 4 Prozent. 2014 waren es etwa 12 Prozent — eine Verdreifachung in nur zwei Jahrzehnten. Die Kurve stieg dabei nicht sprunghaft, sondern Jahr fuer Jahr, wie ein langsam aufgedrehter Regler.

Europa zieht nach: die Verdopplung von 2006 bis 2016

Europa hat die Entwicklung mit Verzoegerung, aber in gleicher Richtung durchgemacht. Eine Auswertung von Daten aus 28 EU-Staaten plus Norwegen und der Tuerkei, veroeffentlicht 2018 im Fachjournal Addiction, kam zu einem klaren Befund: Zwischen 2006 und 2016 hat sich der THC-Gehalt in Marihuana und Haschisch etwa verdoppelt. Die Bundeszentrale fuer gesundheitliche Aufklaerung fasst die Studie auf drugcom.de zusammen.

Konkret stieg der durchschnittliche THC-Gehalt von Cannabisblueten in Europa von 5 Prozent im Jahr 2006 auf 10 Prozent im Jahr 2016. Grundlage waren ueberwiegend polizeilich beschlagnahmte Proben, in manchen Laendern ergaenzt um Testkaeufe.

Haschisch: der heimliche Rekordhalter

Noch steiler verlief die Kurve beim Haschisch. 2006 enthielt Hasch in Europa im Schnitt rund 8 Prozent THC. Bis 2016 stieg der Wert auf durchschnittlich 17 Prozent — mehr als eine Verdopplung. Der Preis kletterte im selben Zeitraum von 8,21 auf 12,27 Euro pro Gramm, also deutlich langsamer als der Wirkstoffgehalt.

Das bedeutet nuechtern gerechnet: Kaeufer bekamen 2016 pro Euro rund 16 Milligramm THC, zehn Jahre zuvor waren es 11 Milligramm. Der Schwarzmarkt lieferte also nicht nur staerkeres, sondern pro Wirkstoffeinheit sogar billigeres Material — ein Wettruesten mit eingebautem Rabatt.

Der aktuelle Stand: Werte von 2024

Die Aufruestung ist kein abgeschlossenes Kapitel. Nach den Daten der Europaeischen Drogenagentur EUDA, veroeffentlicht im Europaeischen Drogenbericht 2026, erreichte Cannabisharz im Jahr 2024 im Schnitt 24,6 Prozent THC — binnen zehn Jahren ein Anstieg um rund zwei Drittel. Cannabiskraut lag zuletzt bei etwa 12 Prozent im Durchschnitt.

Zur Einordnung: Ein durchschnittliches Stueck Hasch von heute ist damit staerker als fast jede Spitzenbluete der Neunziger. Und die Durchschnittswerte verdecken die Spitzen — einzelne Indoor-Blueten erreichen heute 25 bis 30 Prozent, manche Konzentrate ein Vielfaches davon.

30 Jahre in einer Tabelle

Zeitraum Produkt THC-Gehalt (Durchschnitt) Quelle
1995 (USA) Cannabis gesamt ca. 4 % ElSohly et al.
2014 (USA) Cannabis gesamt ca. 12 % ElSohly et al.
2006 (Europa) Blueten ca. 5 % Freeman et al.
2016 (Europa) Blueten ca. 10 % Freeman et al.
2006 (Europa) Haschisch ca. 8 % Freeman et al.
2016 (Europa) Haschisch ca. 17 % Freeman et al.
2024 (Europa) Haschisch ca. 24,6 % EUDA-Drogenbericht

Infografik: THC-Gehalt von Cannabis im Anstieg von 1995 bis 2024 in USA und Europa

Treiber Nummer 1: die gezielte Zucht

Der wichtigste Motor hinter dem steigenden THC-Gehalt ist jahrzehntelange, konsequente Selektionszucht. Illegale wie legale Zuechter kreuzten immer wieder die potentesten Pflanzen miteinander, waehlten aus jedem Samenwurf die staerksten Exemplare aus und stabilisierten deren Eigenschaften. Wie diese Selektion grundsaetzlich funktioniert, erklaeren wir im Artikel ueber die Entstehung neuer Sorten.

Ueber viele Generationen verschob sich so das genetische Profil der verbreiteten Sorten. Merkmale wie Aroma, Widerstandskraft oder Cannabinoid-Vielfalt spielten in der Zucht lange nur die zweite Geige — die Prozentzahl war das Verkaufsargument.

Treiber Nummer 2: das Indoor-Labor

Der zweite grosse Hebel ist die Anbaumethode. Seit den Neunzigern wanderte die Produktion in Europa zunehmend nach drinnen: Kunstlicht, gesteuerte Naehrstoffe, kontrollierte Temperatur und Luftfeuchte. Unter solchen Bedingungen erreichen Pflanzen zuverlaessig hoehere Wirkstoffwerte als auf dem Feld, weil jeder Stressfaktor ausgeschaltet wird.

Die Studienautoren um Tom Freeman nennen ausdruecklich den in Indoor-Anlagen produzierten, auf hohen THC-Ertrag optimierten Cannabis als Haupterklaerung fuer den Anstieg bei Blueten in Europa. Was Indoor-Anbau von Outdoor und Greenhouse unterscheidet, liest du in unserem Vergleich der drei Anbau-Welten.

Der Marokko-Effekt: warum Hasch explodierte

Beim Haschisch kam ein dritter Faktor dazu. Marokko ist neben Afghanistan und dem Libanon das wichtigste Herkunftsland fuer Hasch in Europa. Als europaeisches Indoor-Gras den Markt zu dominieren begann, gerieten die marokkanischen Produzenten unter Konkurrenzdruck — und reagierten, indem sie ihre traditionellen Pflanzen gegen moderne Hybride mit deutlich hoeherem THC-Gehalt austauschten.

Das Ergebnis war ein Generationswechsel auf den Feldern des Rif-Gebirges. Der traditionsreiche Werdegang des Haschs und seine Handelsrouten sind ein Thema fuer sich — mehr dazu im Artikel ueber Traditions-Hasch.

Sinsemilla, Skunk, Haze: die Meilensteine der Aufruestung

Die Zucht auf Potenz hat eine nachvollziehbare Geschichte. Der erste Sprung war die Sinsemilla-Technik: Werden weibliche Pflanzen unbestaeubt gehalten, bilden sie keine Samen und stecken ihre Energie stattdessen in harzreiche Blueten. Was in traditionellen Anbaulaendern eine Nischenmethode war, wurde in den Siebzigern in Kalifornien zum Standard.

Der zweite Sprung kam mit den ersten stabilen Hybriden. Sorten wie Skunk #1 kombinierten Ende der Siebziger die Potenz tropischer Sativas mit der Robustheit und kurzen Bluetezeit von Indicas — und machten hochpotenten Anbau erstmals in gemaessigten Breiten planbar. Ueber die Amsterdamer Seedbanks der Achtziger verbreitete sich diese Genetik weltweit; die Geschichte der Skunk-Familie und der Haze-Familie erzaehlen wir in eigenen Artikeln.

Der dritte Sprung war die Professionalisierung des Indoor-Anbaus ab den Neunzigern — ab da griffen Genetik und Technik ineinander, und die Durchschnittswerte begannen ihren stetigen Anstieg, den die Messreihen dokumentieren.

Wie die Zahlen erhoben werden — und wo ihre Grenzen liegen

Woher wissen Forscher ueberhaupt, wie stark das Gras einer Epoche war? Die Antwort: fast immer aus Beschlagnahmungen. Polizei und Zoll leiten Proben an Labore weiter, die den Wirkstoffgehalt per Gaschromatographie bestimmen. Die ElSohly-Reihe basiert auf diesem Prinzip, ebenso die europaeischen Daten.

Diese Methode hat Grenzen, die man kennen sollte. Beschlagnahmtes Material ist keine perfekte Zufallsstichprobe des Marktes: Grosse Importmengen sind ueberrepraesentiert, lokale Kleinstmengen unterrepraesentiert. Auch Lagerungseffekte spielen eine Rolle, denn THC baut sich mit der Zeit ab.

Fuer den Langzeittrend aendern diese Unschaerfen aber wenig. Da die Methodik ueber Jahrzehnte gleich blieb, bilden die Reihen die Richtung zuverlaessig ab — und alle grossen Datensaetze aus verschiedenen Regionen zeigen dieselbe Kurve nach oben. Ein Messartefakt saehe anders aus.

Nutzhanf: die Zucht in die Gegenrichtung

Waehrend der Schwarzmarkt auf immer mehr THC zuechtete, lief im legalen Hanfanbau die exakt entgegengesetzte Selektion. EU-zertifizierte Nutzhanfsorten muessen dauerhaft unter dem gesetzlichen Grenzwert bleiben — Sorten, deren THC-Gehalt in amtlichen Kontrollen wiederholt zu hoch ausfaellt, verlieren ihre Zulassung und fliegen aus dem EU-Sortenkatalog.

Das Ergebnis sind Pflanzen, die ueber Jahrzehnte auf Faserqualitaet, Samenertrag, Aroma und einen stabilen, niedrigen THC-Wert gezuechtet wurden. Was Nutzhanf botanisch und rechtlich ausmacht, erklaert unser Artikel Was ist Nutzhanf? — er ist die Grundlage jeder legalen CBD Bluete.

Konzentrate: die naechste Eskalationsstufe

Die Bluete markiert laengst nicht mehr das obere Ende der Skala. Extrakte wie BHO, Rosin oder Destillate erreichen 60 bis 90 Prozent THC — das Fuenf- bis Achtfache heutiger Durchschnittsblueten. In Nordamerika machen solche Konzentrate inzwischen einen erheblichen Teil des legalen Marktes aus.

Fuer die Statistik bedeutet das: Selbst die steilen Kurven der Bluetenpotenz unterzeichnen die tatsaechliche Entwicklung, weil immer mehr Konsum auf Produkte jenseits der Bluete entfaellt. Die Weltdrogenbehoerde weist in ihren Berichten seit Jahren auf diese Verschiebung hin.

Das Verschwinden von CBD aus dem Schwarzmarkt

Die vielleicht wichtigste Nebenwirkung der Aufruestung betrifft nicht das THC, sondern das CBD. Die ElSohly-Daten zeigen: Waehrend der THC-Gehalt stieg, fiel der CBD-Anteil in den US-Proben von etwa 0,28 Prozent im Jahr 2001 auf unter 0,15 Prozent im Jahr 2014.

Das Verhaeltnis von THC zu CBD verschob sich dadurch von etwa 14 zu 1 im Jahr 1995 auf rund 80 zu 1 im Jahr 2014. Cannabidiol, dessen Molekuel ebenfalls bei PubChem dokumentiert ist, wurde aus dem Schwarzmarkt-Gras praktisch herausgezuechtet — es bringt dort schlicht kein Verkaufsargument.

Warum Fachleute den Trend kritisch sehen

Praeventionsfachleute bewerten die Entwicklung seit Jahren als problematisch. Die Forschung, die drugcom.de zitiert, verbindet hochpotente Sorten mit hoeheren gesundheitlichen Risiken fuer Konsumenten — auch, weil der ausgleichende CBD-Anteil fehlt. Wir geben an dieser Stelle bewusst nur den Forschungsstand wieder und keine eigenen Bewertungen ab.

Festzuhalten bleibt: Wer heute illegales Gras kauft, konsumiert ein pharmakologisch voellig anderes Produkt als ein Kaeufer in den Neunzigern — meist ohne es zu wissen, denn der Schwarzmarkt legt keine Laborwerte bei.

Blindflug ohne Etikett: das Informationsproblem

Genau hier liegt der Kern des Problems. Auf dem Schwarzmarkt gibt es keine Deklaration, keine Analysezertifikate, keine Chargenpruefung. Der tatsaechliche THC-Gehalt einer Tuete bleibt reine Glueckssache; Schwankungen zwischen 8 und 25 Prozent sind moeglich, ohne dass man es dem Material ansieht.

Auch die Weltdrogenbehoerde dokumentiert in ihrem World Drug Report die zunehmende Potenz von Cannabisprodukten auf illegalen Maerkten weltweit. Die Zahl auf dem Etikett — die es dort gar nicht gibt — waere die wichtigste Verbraucherinformation ueberhaupt.

Mehr Prozent, mehr Preis? Die Marktlogik

Auf legalen wie illegalen Maerkten hat sich die Prozentzahl zum zentralen Marketinginstrument entwickelt. Haendler bewerben Material fast ausschliesslich ueber den THC-Gehalt, Kaeufer greifen reflexhaft zum staerksten Angebot — ein Kreislauf, der die Zucht weiter anheizt.

Dabei zeigt die Preisanalyse der europaeischen Daten etwas Bemerkenswertes: Bei Blueten blieb das Verhaeltnis von Milligramm THC pro Euro zwischen 2006 und 2016 nahezu konstant. Der Markt bepreist Cannabis laengst nach Wirkstoffmenge — wie ein Rohstoff.

Medizinalcannabis: Staerke mit Kontrolle

Einen Kontrapunkt setzt der medizinische Bereich. Medizinalcannabis aus der Apotheke ist zwar haeufig ebenfalls hochpotent, aber jede Charge wird pharmazeutisch geprueft, der THC-Gehalt steht exakt beziffert auf dem Etikett, und die Abgabe erfolgt ueber Fachpersonal.

Der Unterschied zum Schwarzmarkt liegt also weniger in der Staerke als in der Kontrolle und Transparenz. Wie sich Medizinalcannabis und CBD-Produkte grundsaetzlich unterscheiden, erklaert unser Artikel Medizinalcannabis vs. CBD.

CBD Blueten: das Gegenmodell zur Aufruestung

Und dann gibt es die Produktkategorie, die den Trend komplett verweigert: CBD Blueten. Sie stammen aus zertifiziertem Nutzhanf, dessen THC-Gehalt gesetzlich auf 0,3 Prozent gedeckelt ist — ein Bruchteil dessen, was Schwarzmarkt-Gras heute enthaelt. Eine berauschende Wirkung ist damit ausgeschlossen.

Waehrend der illegale Markt immer weiter aufruestet, bleibt der Wert bei CBD Blueten seit Jahren konstant niedrig — nicht aus Zurueckhaltung, sondern weil das Gesetz und die Sortenzulassung es so vorschreiben. Die Details zur Rechtslage findest du im Artikel Sind CBD Blueten legal?, die zulaessigen Grenzwerte erklaeren wir hier im Detail.

Geprueft statt geschaetzt: der Laborvorteil

Der zweite grosse Unterschied: Serioese CBD-Anbieter lassen jede Charge im Labor analysieren. Das Zertifikat weist den THC-Gehalt und den CBD-Gehalt exakt aus — du weisst also vor dem Kauf, was im Beutel steckt. Genau die Transparenz, die dem Schwarzmarkt seit 30 Jahren fehlt.

In unserem Sortiment findest du ausschliesslich laborgepruefte Ware, von milden Sorten bis zu CBD-starken Blueten. Wie du ein Laborzertifikat selbst liest, zeigt dir unsere Anleitung zur Laboranalyse.

Konstanz als Qualitaetsmerkmal

Fuer Kaeufer von CBD Blueten dreht sich die Logik der Aufruestung um: Nicht der hoechste Wert gewinnt, sondern der verlaesslichste. Ein Produkt, das in jeder Charge dieselben Werte liefert, ist im Aromabereich mehr wert als ein Ausreisser nach oben.

Deshalb lohnt sich der Blick auf den CBD-Gehalt, das Aromaprofil und die Frische — und nicht auf eine einzelne Prozentzahl. Wie du die Staerke einer CBD-Bluete fuer dich einordnest, erklaeren wir im Ratgeber zur Wahl der richtigen CBD-Staerke.

Die Prozente-Show: Cups, Menuekarten und Etiketten-Poker

Wie sehr die Zahl den Markt beherrscht, zeigt ein Blick dorthin, wo Cannabis legal verkauft wird. Auf den Menuekarten nordamerikanischer Dispensaries ist die Prozentangabe das erste Sortierkriterium, bei Wettbewerben werben Zuechter mit Rekordwerten, und in mehreren US-Bundesstaaten beschaeftigen inzwischen sogar Aufsichtsbehoerden sich mit auffaellig optimistischen Laborangaben.

Der Fachbegriff dafuer lautet Potenz-Inflation: Weil Material mit hoeherer Prozentzahl besser bezahlt wird, geraten Labore unter Druck, moeglichst hohe Werte zu attestieren. Unabhaengige Nachmessungen fanden wiederholt niedrigere Gehalte als deklariert — das Wettruesten hat also laengst auch eine Papier-Komponente.

Fuer dich als Leser ist das ein nuetzlicher Reflex: Eine einzelne beeindruckende Zahl ist immer nur so glaubwuerdig wie das Labor dahinter. Worauf es bei einem serioesen Zertifikat ankommt, haben wir im Artikel ueber die Arbeit eines CBD-Labors beschrieben.

Der Blick nach Deutschland

Auch fuer Deutschland zeigen die verfuegbaren Analysereihen beschlagnahmten Materials seit den Neunzigern denselben Verlauf wie im europaeischen Durchschnitt: eine kontinuierliche Zunahme der Potenz bei Blueten und Haschisch, getragen vom wachsenden Anteil professionell produzierter Indoor-Ware.

Seit der Teil-Legalisierung 2024 kommt eine neue Facette hinzu: Eigenanbau und Anbauvereinigungen produzieren ausserhalb jeder Statistik, waehrend Medizinalcannabis mit exakt deklarierten Werten einen wachsenden legalen Markt bildet. Die Datenlage wird dadurch bunter — an der Grundrichtung der letzten 30 Jahre aendert das bislang nichts.

Wohin die Reise geht

Ein Ende der Aufruestung ist auf dem illegalen Markt nicht in Sicht — im Gegenteil: Hochkonzentrierte Extrakte und immer potentere Blueten verschieben die Skala weiter. Parallel diskutieren Regulierer in mehreren Laendern Obergrenzen fuer den THC-Gehalt legaler Produkte, etwa in US-Bundesstaaten.

Fuer Europa liefert die EUDA mit ihren Jahresberichten die Datengrundlage, an der sich der Trend weiter ablesen laesst. Sicher ist nur eines: Die 4 Prozent von 1995 kommen nicht wieder.

Was das fuer dich als Kaeufer bedeutet

Wenn du dich fuer Cannabisprodukte interessierst, ist der THC-Gehalt die Zahl, die du kennen solltest — egal auf welcher Seite des Marktes. Beim illegalen Gras ist sie unbekannt und im Zweifel hoch. Bei CBD Blueten ist sie bekannt, niedrig und dokumentiert.

Unser Rat ist deshalb unspektakulaer: Kaufe nichts, dessen Werte du nicht kennst. Ein Blick ins Analysezertifikat ersetzt jede Schaetzung, und der Unterschied zwischen CBD Blueten und Gras ist am Ende genau diese eine, nachpruefbare Zahl.

Haeufige Fragen zum THC-Gehalt

Wie hoch war der THC-Gehalt von Cannabis frueher?

In den USA lag der Durchschnitt 1995 bei rund 4 Prozent, in Europa 2006 bei etwa 5 Prozent fuer Blueten und 8 Prozent fuer Haschisch. Diese Werte stammen aus grossen Analysereihen beschlagnahmter Proben und gelten als die belastbarsten verfuegbaren Daten.

Wie hoch ist der THC-Gehalt heute?

Aktuelle europaeische Daten aus dem Drogenbericht 2026 nennen fuer 2024 im Schnitt rund 12 Prozent bei Cannabiskraut und 24,6 Prozent bei Haschisch. Einzelne Indoor-Sorten und Konzentrate liegen deutlich darueber.

Warum ist der THC-Gehalt so stark gestiegen?

Drei Faktoren wirken zusammen: jahrzehntelange Selektionszucht auf Potenz, der Wechsel zum kontrollierten Indoor-Anbau und beim Haschisch der Umstieg marokkanischer Produzenten auf moderne Hybridsorten. Alle drei Entwicklungen wurden vom Markt belohnt.

Ist staerkeres Cannabis auch besseres Cannabis?

Nein. Der THC-Gehalt misst nur die Potenz, nicht die Qualitaet. Aroma, Terpenprofil, Anbausorgfalt und Frische sind davon unabhaengig. Die Forschung verbindet sehr hohe Potenz bei gleichzeitig fehlendem CBD sogar mit erhoehten Risiken fuer Konsumenten.

Welchen THC-Gehalt haben CBD Blueten?

CBD Blueten stammen aus zertifiziertem Nutzhanf und duerfen hoechstens 0,3 Prozent THC enthalten. Eine berauschende Wirkung ist bei diesem Wert ausgeschlossen. Der Gehalt wird per Laboranalyse fuer jede Charge dokumentiert.

Kann ich den THC-Gehalt selbst erkennen?

Nein — weder am Aussehen noch am Geruch laesst sich die Potenz verlaesslich ablesen. Die einzige belastbare Quelle ist eine Laboranalyse. Serioese CBD-Shops stellen solche Zertifikate fuer jede Charge bereit.

Warum enthaelt Schwarzmarkt-Gras kaum noch CBD?

Weil CBD auf dem illegalen Markt kein Verkaufsargument ist, wurde es ueber Jahrzehnte aus den Sorten herausgezuechtet. Die US-Daten zeigen ein Verhaeltnis von THC zu CBD von zuletzt rund 80 zu 1 — 1995 lag es noch bei 14 zu 1.

Steigt der THC-Gehalt immer weiter?

Die Messreihen zeigen bislang keinen Wendepunkt: Sowohl die US-Daten bis 2014 als auch die europaeischen Werte bis 2024 steigen kontinuierlich. Botanische Obergrenzen existieren zwar, sind aber offenbar noch nicht erreicht.

Fazit: die stille Eskalation

Der THC-Gehalt von Cannabis hat sich seit den Neunzigern verdreifacht — von rund 4 auf ueber 12 Prozent, beim Hasch zuletzt auf fast 25 Prozent. Getrieben von Zucht, Indoor-Technik und Marktlogik ist aus dem Gras von damals ein hochpotentes Produkt geworden, dessen Staerke der Kaeufer auf dem Schwarzmarkt nie kennt. CBD Blueten stehen ausserhalb dieses Wettruestens: gesetzlich gedeckelt, laborgeprueft und konstant. Wer Wert auf Transparenz legt, findet hier die einzige Cannabis-Kategorie, bei der die wichtigste Zahl schwarz auf weiss vorliegt.

Hinweis: Unsere CBD Blueten und CBD Hasch sind Aroma- und Sammlerprodukte und nicht zum Verzehr bestimmt. Dieser Artikel gibt den Stand der zitierten Forschung wieder und trifft keine Aussagen ueber Wirkungen unserer Produkte.