Strafbefehl bei Cannabis: 7 knappe Fristen

Titelbild: Strafbefehl bei Cannabis – 7 knappe Fristen

Ein Brief vom Amtsgericht, darin ein Strafbefehl wegen Cannabis: Fuer manche ist das der erste echte Kontakt mit der Justiz, einige Zeit nach einer Kontrolle, bei der zu viel im Rucksack war, oder nach einer Durchsuchung mit mehr als drei Pflanzen auf dem Balkon. Seit dem 1. April 2024 ist der Besitz fuer Erwachsene in Grenzen erlaubt. Oberhalb dieser Grenzen bleibt das Konsumcannabisgesetz (KCanG) aber Strafrecht, und der Strafbefehl ist ein Weg, solche Faelle ohne muendliche Verhandlung abzuschliessen.

Wer einen Strafbefehl bekommt, hat wenig Zeit. Das Gesetz gibt dir zwei Wochen, um zu entscheiden, ob du ihn hinnimmst oder Einspruch einlegst. Dieser Ratgeber erklaert die sieben Fristen, auf die es ankommt, vom Einspruch ueber Zustellung und Wiedereinsetzung bis zur Zahlung der Geldstrafe. Grundlage ist der Wortlaut von Strafprozessordnung (StPO), Strafgesetzbuch (StGB), KCanG, Jugendgerichtsgesetz (JGG) und Bundeszentralregistergesetz (BZRG).

Vorweg: Dieser Beitrag beschreibt das Verfahren nuechtern und gibt keine Empfehlung fuer deinen Einzelfall. Muster-Schreiben, Erfolgsquoten oder Tipps zum Taktieren findest du hier bewusst nicht. Welche Rechte du bei einer Hausdurchsuchung wegen Cannabis hast, steht in einem eigenen Beitrag. Hier geht es um das, was danach kommt: Post vom Gericht.

Infografik Strafbefehl bei Cannabis: Einspruch binnen zwei Wochen, Zustellung, Wiedereinsetzung, Tagessaetze, Ruecknahme und Ersatzfreiheitsstrafe im Ueberblick

Was ein Strafbefehl ist - und was er bewirkt

Der Strafbefehl ist eine Verurteilung im schriftlichen Verfahren. Nach Paragraf 407 Absatz 1 StPO kann das Amtsgericht bei Vergehen auf schriftlichen Antrag der Staatsanwaltschaft die Rechtsfolgen der Tat ohne Hauptverhandlung festsetzen. Den Antrag stellt die Staatsanwaltschaft, wenn sie eine Hauptverhandlung nicht fuer erforderlich haelt. Mit ihm ist, so das Gesetz, die oeffentliche Klage erhoben.

Erlaubt sind nur die Rechtsfolgen aus Paragraf 407 Absatz 2 StPO, vor allem Geldstrafe, Verwarnung mit Strafvorbehalt, Fahrverbot, Einziehung, Entziehung der Fahrerlaubnis mit hoechstens zwei Jahren Sperre und das Absehen von Strafe. Eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr ist nur moeglich, wenn sie zur Bewaehrung ausgesetzt wird und du einen Verteidiger hast. Freiheitsstrafe ohne Bewaehrung kann ein Strafbefehl nicht festsetzen.

Eine vorherige Anhoerung durch das Gericht ist nicht vorgeschrieben (Paragraf 407 Absatz 3 StPO). Haelt der Richter dich nicht fuer hinreichend verdaechtig, lehnt er den Erlass ab; hat er Bedenken, beraumt er eine Hauptverhandlung an (Paragraf 408 StPO). Sonst erlaesst er den Strafbefehl wie beantragt. Der Strafbefehl nennt Tat, Zeit, Ort, die angewendeten Vorschriften, die Beweismittel und die Rechtsfolgen und belehrt ueber Frist und Form des Einspruchs (Paragraf 409 StPO). Ohne rechtzeitigen Einspruch steht der Strafbefehl einem rechtskraeftigen Urteil gleich (Paragraf 410 Absatz 3 StPO).

Welche Cannabis-Faelle mit einem Strafbefehl enden koennen

Ein Strafbefehl ist nur bei Vergehen zulaessig, also bei Taten, die im Mindestmass mit weniger als einem Jahr Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe bedroht sind (Paragraf 12 StGB). So ist der Grundtatbestand von Paragraf 34 Absatz 1 KCanG gebaut: Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Er erfasst unter anderem:

  • Besitz von mehr als 30 Gramm ausserhalb des Wohnsitzes oder insgesamt mehr als 60 Gramm, bei Blueten nach dem Trocknen gewogen (Nummer 1 Buchstabe a und b)
  • Besitz von mehr als drei lebenden Pflanzen oder Anbau von mehr als drei Pflanzen gleichzeitig (Nummer 1 Buchstabe c, Nummer 2)
  • Handeltreiben, Einfuhr und Ausfuhr (Nummer 4 und 5)
  • Ab- oder Weitergabe, auch ohne Geld (Nummer 7)
  • sich Cannabis verschaffen, ohne Mindestmenge (Nummer 11)
  • Erwerb oder Entgegennahme von mehr als 25 Gramm pro Tag oder mehr als 50 Gramm pro Kalendermonat (Nummer 12)

Besonders schwere Faelle nach Absatz 3, etwa mit einer nicht geringen Menge, bleiben Vergehen, weil Strafschaerfungen fuer die Einteilung ausser Betracht bleiben (Paragraf 12 Absatz 3 StGB). Ihr Rahmen beginnt aber bei drei Monaten Freiheitsstrafe. Ob dann ein Strafbefehl in Frage kommt, haengt von der erwarteten Strafe ab, denn mehr als ein Jahr auf Bewaehrung darf er nicht festsetzen. Die Faelle aus Absatz 4 mit mindestens zwei Jahren sind Verbrechen, ein Strafbefehl ist dort ausgeschlossen.

Amtliche Zahlen dazu, wie viele Cannabis-Verfahren mit einem Strafbefehl enden, haben wir nicht gefunden. Wie sich die polizeilich erfassten Faelle entwickelt haben, zeigt unsere Bilanz der Cannabis-Straftaten. Das Bundesgesundheitsministerium fasst in seinen Fragen und Antworten zum Cannabisgesetz zusammen: Wer die Grenze von 30 beziehungsweise 60 Gramm ueberschreitet, macht sich strafbar. Wer vermeintlich legale Ware im Netz bestellt, findet die Rechtslage im Beitrag zu THCA-Blueten.

Bussgeld oder Strafbefehl: wo das Gesetz die Grenze zieht

Nicht jeder Verstoss ist eine Straftat. Paragraf 36 KCanG macht unter anderem den Besitz von mehr als 25 bis zu 30 Gramm unterwegs und von mehr als 50 bis zu 60 Gramm insgesamt zur Ordnungswidrigkeit, ebenso den Konsum in Verbotszonen. Dafuer gibt es keinen Strafbefehl, sondern einen Bussgeldbescheid mit bis zu 30.000 Euro (Paragraf 36 Absatz 2 KCanG). Ins Bundeszentralregister werden nach Paragraf 4 BZRG unter anderem rechtskraeftige Verurteilungen zu Strafe eingetragen, also auch ein rechtskraeftiger Strafbefehl. Eine Geldbusse gehoert nicht dazu.

Wie das Bussgeldverfahren ablaeuft, erklaert unser Beitrag zum Cannabis-Bussgeld. Wo genau die Grammgrenzen liegen und warum 25 plus 50 nicht 75 ergibt, steht im Beitrag 25 oder 50 Gramm?.

Der Weg zum Strafbefehl: von der Kontrolle bis zum Brief

Am Anfang steht zum Beispiel eine Verkehrskontrolle, eine Anzeige oder eine Durchsuchung, bei der Cannabis sichergestellt wird. Die Polizei erforscht den Sachverhalt und uebersendet ihre Verhandlungen ohne Verzug an die Staatsanwaltschaft (Paragraf 163 StPO). Vor dem Abschluss der Ermittlungen musst du als Beschuldigter Gelegenheit bekommen, dich zu aeussern. In einfachen Sachen genuegt die Gelegenheit zur schriftlichen Aeusserung, etwa ueber einen Anhoerungsbogen; fuehrt das Verfahren ohnehin zur Einstellung, kann das entfallen (Paragraf 163a Absatz 1 StPO).

Danach entscheidet die Staatsanwaltschaft. Bieten die Ermittlungen keinen genuegenden Anlass zur Klage, stellt sie ein (Paragraf 170 Absatz 2 StPO). Andernfalls kann sie anklagen, unter Auflagen einstellen oder einen Strafbefehl beantragen, ueber den dann der Richter am Amtsgericht entscheidet. Zugestellt wird an dich; hat ein Verteidiger eine Vollmacht vorgelegt, darf nach Paragraf 145a StPO auch ihm wirksam zugestellt werden.

Vorladung und Anhoerungsbogen: was Pflicht ist und was nicht

Der erste Kontakt nach einer Kontrolle kann ein Schreiben der Polizei sein: eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung oder ein Anhoerungsbogen. Paragraf 163a Absatz 3 StPO verpflichtet Beschuldigte, auf Ladung vor der Staatsanwaltschaft zu erscheinen. Eine entsprechende Pflicht gegenueber der Polizei nennt das Gesetz fuer Beschuldigte nicht. Anders bei Zeugen: Sie muessen nach Paragraf 163 Absatz 3 StPO auch vor Polizeibeamten erscheinen, wenn der Ladung ein Auftrag der Staatsanwaltschaft zugrunde liegt.

Bei jeder Vernehmung gilt dein Schweigerecht. Dir ist zu eroeffnen, welche Tat dir vorgeworfen wird, und du bist darauf hinzuweisen, dass es dir freisteht, dich zu aeussern oder nicht zur Sache auszusagen und jederzeit einen Verteidiger zu befragen (Paragraf 136 Absatz 1 StPO). Fuer Vernehmungen durch die Polizei gilt das nach Paragraf 163a Absatz 4 StPO entsprechend.

Auch ein Anhoerungsbogen ist eine Gelegenheit zur Aeusserung, keine Pflicht zur Aussage. Aus einer ausbleibenden Antwort folgt nicht automatisch ein Strafbefehl, aus einer Antwort nicht automatisch eine Einstellung. Akteneinsicht kann bis zum Abschluss der Ermittlungen eingeschraenkt sein, soweit sie den Untersuchungszweck gefaehrden kann (Paragraf 147 Absatz 2 StPO).

Einstellung statt Strafbefehl: drei Wege aus dem Verfahren

Nicht jedes Verfahren endet mit einer Strafe. Paragraf 153 StPO erlaubt das Absehen von der Verfolgung, wenn die Schuld gering waere und kein oeffentliches Interesse besteht. Bei Vergehen ohne erhoehte Mindeststrafe und mit geringen Folgen braucht die Staatsanwaltschaft dafuer nicht einmal die Zustimmung des Gerichts.

Nach Paragraf 153a StPO kann die Staatsanwaltschaft mit Zustimmung von Gericht und Beschuldigtem vorlaeufig von der Klage absehen und Auflagen erteilen, etwa einen Geldbetrag an eine gemeinnuetzige Einrichtung oder die Staatskasse zu zahlen. Fuer die Geldauflage setzt sie eine Frist von hoechstens sechs Monaten. Wird die Auflage erfuellt, kann die Tat nicht mehr als Vergehen verfolgt werden. Eine Verurteilung ist das nicht.

Speziell fuer Cannabis gilt Paragraf 35a KCanG: Die Staatsanwaltschaft kann bei Vergehen nach Paragraf 34 Absatz 1, 2 oder 5 von der Verfolgung absehen, wenn die Schuld gering waere, kein oeffentliches Interesse besteht und der Taeter lediglich zum Eigenverbrauch Cannabis in geringer Menge anbaut, herstellt, einfuehrt, ausfuehrt, durchfuehrt, erwirbt, sich verschafft, besitzt oder Cannabinoide extrahiert. Abgabe und Weitergabe fehlen in dieser Liste, wie unser Beitrag zum Cannabis verschenken zeigt.

Mit dem Antrag sind diese Wege nicht verschlossen. Ist die Klage erhoben, und das ist sie mit dem Antrag auf einen Strafbefehl, kann das Gericht nach Paragraf 153 Absatz 2, Paragraf 153a Absatz 2 StPO und Paragraf 35a Absatz 2 KCanG mit Zustimmung von Staatsanwaltschaft und Angeschuldigtem einstellen. Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Paragraf 35a KCanG ist fast wortgleich mit Paragraf 31a Absatz 1 Satz 1 BtMG, den unser Beitrag zum Recht auf Rausch einordnet.

Frist 1: Zwei Wochen fuer den Einspruch

Die wichtigste Zahl steht in Paragraf 410 Absatz 1 StPO: Gegen den Strafbefehl kannst du innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch einlegen, und zwar bei dem Gericht, das den Strafbefehl erlassen hat. Erlaubt sind zwei Formen: schriftlich oder zu Protokoll der Geschaeftsstelle, also muendlich bei der Geschaeftsstelle des Gerichts, die deine Erklaerung aufnimmt.

Eine Begruendung verlangt Paragraf 410 StPO nicht. Ein Fehler in der Bezeichnung schadet nicht: Wer statt Einspruch etwa Widerspruch schreibt, ist durch Paragraf 300 StPO geschuetzt, der entsprechend gilt. Nach dem Wortlaut muss der Einspruch innerhalb der Frist bei dem Gericht eingelegt sein. Es kommt also auf den Eingang dort an, nicht auf den Tag, an dem du den Brief abschickst.

Vorsicht bei elektronischen Wegen: Ein schriftlich einzureichendes Dokument braucht elektronisch eine qualifizierte elektronische Signatur oder muss signiert ueber einen sicheren Uebermittlungsweg eingehen (Paragraf 32a Absatz 3 StPO). Eine einfache E-Mail gehoert nicht zu den sicheren Uebermittlungswegen, die Absatz 4 aufzaehlt.

Frist 2: Die Zustellung startet die Uhr

Die zwei Wochen beginnen nicht mit dem Datum auf dem Strafbefehl, sondern mit der Zustellung (Paragraf 35 Absatz 2 StPO). Fuer das Verfahren gelten nach Paragraf 37 StPO die Regeln der Zivilprozessordnung. Triffst du den Zusteller nicht an, darf er den Brief in der Wohnung einem erwachsenen Familienangehoerigen oder einem erwachsenen staendigen Mitbewohner uebergeben (Paragraf 178 ZPO).

Klappt auch das nicht, wird der Brief in den Briefkasten eingelegt. Nach Paragraf 180 ZPO gilt er mit dem Einlegen als zugestellt, egal ob du ihn am selben Tag liest oder erst nach dem Urlaub. Der Zusteller vermerkt das Datum auf dem Umschlag. Wird der Brief niedergelegt, gilt er nach Paragraf 181 ZPO schon mit der Abgabe der schriftlichen Benachrichtigung als zugestellt, nicht erst mit der Abholung.

Das Ende berechnet Paragraf 43 StPO: Eine Wochenfrist endet mit Ablauf des Tages der letzten Woche, der durch seine Benennung dem Tag des Fristbeginns entspricht. Ein Beispiel: Wird der Strafbefehl am Freitag, 6. November 2026, in deinen Briefkasten eingelegt, endet die Frist am Freitag, 20. November 2026, um 24 Uhr. Faellt das Ende auf einen Samstag, Sonntag oder allgemeinen Feiertag, endet sie mit Ablauf des naechsten Werktags.

Wird an mehrere Empfangsberechtigte zugestellt, etwa an dich und deinen Verteidiger, zaehlt die zuletzt bewirkte Zustellung (Paragraf 37 Absatz 2 StPO). Der Umschlag mit dem Zustelldatum zeigt dir den Fristbeginn, es lohnt sich, ihn aufzubewahren.

Frist 3: Eine Woche fuer die Wiedereinsetzung

Wer die zwei Wochen verpasst, hat noch einen Weg: Paragraf 44 StPO gewaehrt auf Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, wenn du ohne Verschulden verhindert warst. Der Antrag hat eine eigene, noch kuerzere Frist. Er ist nach Paragraf 45 Absatz 1 StPO binnen einer Woche nach Wegfall des Hindernisses bei dem Gericht zu stellen, bei dem die Frist zu wahren gewesen waere.

In derselben Woche musst du den Einspruch selbst nachholen, und die Tatsachen fuer das fehlende Verschulden sind glaubhaft zu machen (Paragraf 45 Absatz 2 StPO). Ist der Einspruch fristgerecht nachgeholt, kann das Gericht die Wiedereinsetzung auch ohne Antrag gewaehren. Was als unverschuldet gilt, legt das Gesetz nicht in einer Liste fest, das Gericht entscheidet im Einzelfall.

Ein verspaeteter Einspruch ohne Wiedereinsetzung wird nach Paragraf 411 Absatz 1 StPO ohne Hauptverhandlung durch Beschluss verworfen. Dagegen ist die sofortige Beschwerde zulaessig, die nach Paragraf 311 StPO binnen einer Woche einzulegen ist. Sonst bleibt es beim Strafbefehl.

Frist 4: Akteneinsicht braucht Zeit - die Einspruchsfrist wartet nicht

Bevor du entscheidest, willst du wissen, was in der Akte steht: Wer hat was beobachtet, wie wurde gewogen, gibt es ein Gutachten zum Wirkstoffgehalt? Nach Paragraf 147 StPO darf ein Verteidiger die Akten einsehen. Hast du keinen, gibt dir Absatz 4 ein eigenes Recht auf Akteneinsicht, soweit der Untersuchungszweck nicht gefaehrdet ist und keine ueberwiegenden Interessen Dritter entgegenstehen. Bei Papierakten koennen dir Kopien bereitgestellt werden.

Nach Erhebung der Klage entscheidet ueber die Einsicht der Vorsitzende des Gerichts (Paragraf 147 Absatz 5 StPO). Das kostet Zeit, und die zwei Wochen laufen unabhaengig davon weiter, eine Verlaengerung sieht das Gesetz nicht vor. Den Konflikt loest es an anderer Stelle: Ein Einspruch kann nach Paragraf 411 Absatz 3 StPO bis zur Verkuendung des Urteils im ersten Rechtszug zurueckgenommen werden. Rechtlich ist es also moeglich, gegen den Strafbefehl fristgerecht Einspruch einzulegen und nach der Akteneinsicht zu entscheiden, ob du ihn aufrechterhaeltst.

Frist 5: Einspruch nur gegen die Tagessatzhoehe

Manchmal stimmt die Tat, aber die Geldstrafe im Strafbefehl passt nicht zum Einkommen, etwa weil es mangels Angaben geschaetzt wurde, was Paragraf 40 Absatz 3 StGB ausdruecklich erlaubt. Fuer diesen Fall laesst Paragraf 410 Absatz 2 StPO zu, den Einspruch auf bestimmte Beschwerdepunkte zu beschraenken, zum Beispiel auf die Hoehe der Tagessaetze.

Der Zeitvorteil steckt in Paragraf 411 Absatz 1 Satz 3 StPO: Ist der Einspruch so beschraenkt, kann das Gericht ohne Hauptverhandlung durch Beschluss entscheiden, wenn du, dein Verteidiger und die Staatsanwaltschaft zustimmen. Ein Termin im Gerichtssaal entfaellt. Das Gericht darf dabei nicht zu deinem Nachteil vom Strafbefehl abweichen, gegen den Beschluss ist die sofortige Beschwerde zulaessig.

Die Kehrseite: Soweit kein Einspruch erhoben ist, steht der Strafbefehl nach Paragraf 410 Absatz 3 StPO einem rechtskraeftigen Urteil gleich. Vorwurf und Zahl der Tagessaetze stehen dann fest.

Tagessaetze verstehen: Anzahl mal Hoehe

Nach Paragraf 40 StGB wird die Geldstrafe in mindestens fuenf und, wenn das Gesetz nichts anderes bestimmt, hoechstens 360 vollen Tagessaetzen verhaengt. Im Strafbefehl stehen daher zwei Zahlen: Anzahl und Hoehe. Die Hoehe richtet sich nach deinen persoenlichen und wirtschaftlichen Verhaeltnissen, in der Regel nach dem Nettoeinkommen, das du durchschnittlich an einem Tag hast oder haben koenntest. Dir muss mindestens das zum Leben unerlaessliche Minimum verbleiben, ein Tagessatz liegt zwischen einem und 30.000 Euro.

Ein Rechenbeispiel ohne Bezug zu einem echten Fall: Lautet ein Strafbefehl auf 40 Tagessaetze zu je 50 Euro, ergibt das 2.000 Euro, bei 40 Tagessaetzen zu je 20 Euro sind es 800 Euro. Die Anzahl ist ausserdem fuer spaetere Folgen wichtig, etwa fuer das Fuehrungszeugnis und die Ersatzfreiheitsstrafe.

Frist 6: Ruecknahme bis zum Urteil - ohne Schutz vor Verschlechterung

Ein eingelegter Einspruch ist nicht endgueltig. Nach Paragraf 411 Absatz 3 StPO kannst du ihn bis zur Verkuendung des Urteils im ersten Rechtszug zuruecknehmen, dann wird der Strafbefehl so rechtskraeftig, wie er erlassen wurde. Weil Paragraf 303 StPO entsprechend gilt, ist die Ruecknahme nach Beginn der Hauptverhandlung aber nur noch mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft moeglich. Ein Verteidiger braucht dafuer deine ausdrueckliche Ermaechtigung (Paragraf 302 Absatz 2 StPO).

Der wichtigste Punkt steht in Paragraf 411 Absatz 4 StPO: Soweit Einspruch eingelegt ist, ist das Gericht bei der Urteilsfaellung an den Ausspruch im Strafbefehl nicht gebunden. Ein Verbot der Schlechterstellung gibt es hier nicht, ausgenommen den Beschluss ueber die Tagessatzhoehe aus Frist 5. Das Urteil kann milder ausfallen, gleich bleiben oder hoeher sein, etwa wenn in der Verhandlung belastende Umstaende zur Sprache kommen.

Was nach dem Einspruch passiert: Termin, Ladung, Verhandlung

Ist der Einspruch rechtzeitig und zulaessig, beraumt das Gericht einen Termin zur Hauptverhandlung an. Zwischen der Zustellung der Ladung und dem Verhandlungstag muss mindestens eine Woche liegen (Paragraf 217 StPO). Die Verhandlung ist nach Paragraf 169 des Gerichtsverfassungsgesetzes oeffentlich.

Du kannst dich durch einen Verteidiger mit nachgewiesener Vertretungsvollmacht vertreten lassen (Paragraf 411 Absatz 2 StPO). Bleibst du ohne genuegende Entschuldigung weg und ist auch kein bevollmaechtigter Verteidiger da, wird dein Einspruch ohne Verhandlung zur Sache verworfen (Paragraf 412 in Verbindung mit Paragraf 329 Absatz 1 StPO), der Strafbefehl bleibt dann bestehen. Auch hier gibt es eine Wochenfrist: Binnen einer Woche nach Zustellung dieses Urteils kannst du unter den Voraussetzungen der Paragrafen 44 und 45 StPO Wiedereinsetzung beanspruchen (Paragraf 329 Absatz 7 StPO).

Einspruch ja oder nein: eine nuechterne Abwaegung

Ob ein Einspruch fuer dich sinnvoll ist, haengt von deinem Fall ab. Erfolgsquoten nennen wir bewusst nicht. Aus dem Gesetz lassen sich aber die Punkte ableiten, die in die Abwaegung gehoeren:

  • Stimmt der Sachverhalt? Menge, Ort, Wohnsitz und das Gewicht nach dem Trocknen entscheiden ueber Straftat, Ordnungswidrigkeit oder erlaubten Besitz.
  • Stimmen die Rechtsfolgen? Anzahl und Hoehe der Tagessaetze, Einziehung, ein moegliches Fahrverbot.
  • Kommt eine Einstellung in Betracht? Auch nach Klageerhebung, aber nur mit Zustimmung aller Beteiligten.
  • Das Risiko: Ein Verschlechterungsverbot gibt es nicht.
  • Oeffentlichkeit und Kosten: Die Hauptverhandlung ist oeffentlich, endet sie mit einem Urteil, faellt eine weitere Gerichtsgebuehr an.

Fuer das Hinnehmen kann sprechen, dass der Strafbefehl ohne oeffentliche Verhandlung auskommt. Dagegen kann sprechen, dass Fehler darin stecken, etwa bei der Menge oder beim geschaetzten Einkommen. Diese Abwaegung nimmt dir kein Ratgeber ab, eine Rechtsanwaeltin oder ein Rechtsanwalt mit Akteneinsicht kann sie fuer deinen Fall treffen.

Was ein Strafbefehl kostet: Gebuehren und Auslagen

Zur Geldstrafe kommen Verfahrenskosten. Jeder Strafbefehl muss nach Paragraf 464 StPO bestimmen, wer die Kosten traegt, und wer verurteilt wird, traegt sie nach Paragraf 465 Absatz 1 StPO. Die Gebuehren stehen im Kostenverzeichnis des Gerichtskostengesetzes und richten sich nach der rechtskraeftig erkannten Strafe.

Fuer ein Urteil ohne vorausgegangenen Strafbefehl mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessaetzen sieht Nummer 3110 eine Gebuehr von 169 Euro vor. Fuer den Strafbefehl selbst faellt nach Nummer 3118 der Satz 0,5 an, bei dieser Strafhoehe also 84,50 Euro. Kommt es nach einem Einspruch zur Hauptverhandlung mit Urteil, entsteht nach Nummer 3119 eine weitere halbe Gebuehr (Stand Oktober 2026).

Hinzu kommen Auslagen in voller Hoehe, etwa Betraege nach dem Justizverguetungs- und -entschaedigungsgesetz fuer Sachverstaendige (Nummer 9005) oder an Rechtsanwaelte gezahlte Betraege wie die Verguetung eines Pflichtverteidigers (Nummer 9007). Bei Freispruch oder Einstellung traegt grundsaetzlich die Staatskasse ihre Auslagen und deine notwendigen Auslagen (Paragraf 467 Absatz 1 StPO). Nach einer Einstellung gegen Auflage nach Paragraf 153a StPO bleiben deine eigenen notwendigen Auslagen, etwa fuer einen Verteidiger, nach Absatz 5 bei dir.

Frist 7: Zahlung, Raten und Ersatzfreiheitsstrafe

Ist der Strafbefehl rechtskraeftig, vollstreckt ihn die Staatsanwaltschaft als Vollstreckungsbehoerde (Paragraf 451 StPO). Fuer die Geldstrafe gilt eine kurze Schonfrist: Vor Ablauf von zwei Wochen nach Eintritt der Faelligkeit wird sie nur beigetrieben, wenn bestimmte Tatsachen zeigen, dass du dich der Zahlung entziehen willst (Paragraf 459c Absatz 1 StPO).

Ist dir die sofortige Zahlung nach deinen persoenlichen oder wirtschaftlichen Verhaeltnissen nicht zuzumuten, sieht Paragraf 42 StGB eine Zahlungsfrist oder Raten vor. Nach Rechtskraft entscheidet darueber die Vollstreckungsbehoerde, auch fuer die Verfahrenskosten (Paragraf 459a StPO). Zahlst du einen Teilbetrag nicht rechtzeitig, kann die Ratenzahlung entfallen, wenn das angeordnet wurde.

Bleibt die Geldstrafe uneinbringlich, tritt die Ersatzfreiheitsstrafe an ihre Stelle. Nach Paragraf 43 StGB entspricht ein Tag zwei Tagessaetzen, aus 40 Tagessaetzen wuerden also 20 Tage. Vor der Anordnung muss die Vollstreckungsbehoerde dich auf Zahlungserleichterungen hinweisen und darauf, dass dir landesrechtlich gestattet werden kann, die Vollstreckung durch freie Arbeit abzuwenden (Paragraf 459e Absatz 2 StPO, Artikel 293 EGStGB). Die Zahl der Arbeitsstunden pro Tag bestimmen die Laender per Rechtsverordnung. Waere die Vollstreckung eine unbillige Haerte, ordnet das Gericht an, dass sie unterbleibt (Paragraf 459f StPO).

Einziehung: was mit dem sichergestellten Cannabis passiert

Im Strafbefehl kann auch die Einziehung angeordnet werden. Grundlage ist Paragraf 37 KCanG: Gegenstaende, auf die sich eine Straftat nach Paragraf 34 oder eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraf 36 bezieht, koennen eingezogen werden. Ueber den Verweis auf Paragraf 74a StGB kann das unter bestimmten Voraussetzungen auch Sachen treffen, die einem anderen gehoeren.

Naheliegend ist die Hoffnung, wenigstens die erlaubte Menge zurueckzubekommen. Der Grosse Senat fuer Strafsachen des Bundesgerichtshofs hat mit Beschluss vom 3. Februar 2025 (GSSt 1/24) anders entschieden: Eine Teilmenge zum Eigenkonsum, die fuer sich die erlaubten Besitzmengen wahrt, muss bei der Einziehung nicht ausgenommen werden. Ist jemand nur wegen Besitzes schuldig, darf ebenfalls das gesamte Cannabis eingezogen werden.

Ganz ohne Grenze ist das nicht. Die Einziehung steht im Ermessen des Gerichts, das ihre Verhaeltnismaessigkeit pruefen muss. In den erlaubten Mengen allein sieht der Grosse Senat keinen hinreichenden Grund fuer eine Ausnahme, im Einzelfall kann das Gericht aber eine Teileinziehung nach Paragraf 74f Absatz 1 Satz 5 StGB anordnen. Mehr dazu steht in unserem Ueberblick zu Cannabis-Urteilen.

Mit der Rechtskraft geht das Eigentum nach Paragraf 75 Absatz 1 StGB auf den Staat ueber, wenn der Gegenstand dem Betroffenen gehoert. Wer gegen die Einziehung vorgehen will, muss also vor der Rechtskraft ansetzen, mit dem Einspruch. Wird nichts eingezogen und braucht das Verfahren die Sache nicht mehr, sieht Paragraf 111n StPO die Herausgabe an den letzten Gewahrsamsinhaber vor, wenn die Voraussetzungen offenkundig sind. Wie Behoerden das bei Cannabis praktisch handhaben, konnten wir nicht belastbar klaeren.

Folgen ueber die Strafe hinaus: Register, Fuehrerschein, Club

Ein rechtskraeftiger Strafbefehl ist eine Verurteilung und wird ins Bundeszentralregister eingetragen (Paragraf 4 BZRG). Davon zu unterscheiden ist das Fuehrungszeugnis, das du etwa fuer einen Arbeitgeber beantragst. Nach Paragraf 32 Absatz 2 Nummer 5 BZRG werden Verurteilungen zu Geldstrafe von nicht mehr als 90 Tagessaetzen nicht aufgenommen, wenn im Register keine weitere Strafe eingetragen ist. Gerichte, Staatsanwaltschaften und weitere in Paragraf 41 BZRG genannte Stellen erhalten auf Ersuchen aber auch Auskunft ueber Eintragungen, die nicht im Fuehrungszeugnis stehen.

Fuer die Fahrerlaubnis laeuft ein eigenes Verfahren: Die Polizei hat der Fahrerlaubnisbehoerde nach Paragraf 2 Absatz 12 StVG Tatsachen zu uebermitteln, die auf nicht nur voruebergehende Eignungsmaengel schliessen lassen. Wann eine MPU droht, erklaert unser Beitrag zur MPU nach Cannabis. Unabhaengig davon kann ein Strafbefehl ein Fahrverbot von einem bis sechs Monaten enthalten, nach Paragraf 44 Absatz 1 StGB auch bei Taten ohne Bezug zum Autofahren, wenn es zur Einwirkung auf den Taeter oder zur Verteidigung der Rechtsordnung erforderlich erscheint. Wirksam wird es spaetestens einen Monat nach Rechtskraft (Absatz 2).

Eine weitere Folge steht im KCanG selbst: Wer wegen eines in den letzten fuenf Jahren vor der Antragstellung begangenen Vergehens nach dem KCanG rechtskraeftig verurteilt wurde, besitzt nach Paragraf 12 Absatz 2 KCanG nicht die Zuverlaessigkeit, die Vorstandsmitglieder einer Anbauvereinigung brauchen. Mehr dazu im Beitrag Cannabis-Club gruenden.

Junge Beschuldigte: kein Strafbefehl unter 18

Jugendlicher ist nach Paragraf 1 Absatz 2 JGG, wer zur Tatzeit 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Gegen einen Jugendlichen darf nach Paragraf 79 Absatz 1 JGG kein Strafbefehl erlassen werden, bei Zweifeln am Alter gelten die Verfahrensvorschriften fuer Jugendliche (Paragraf 1 Absatz 3 JGG). Besitzen, bauen oder erwerben Minderjaehrige Cannabis, ohne die Strafbarkeitsgrenzen zu ueberschreiten, folgt kein Strafverfahren: Die Polizei- und Ordnungsbehoerde informiert nach Paragraf 7 KCanG die Sorgeberechtigten, bei gewichtigen Anhaltspunkten fuer eine Gefaehrdung auch das Jugendamt.

Heranwachsende zwischen 18 und 21 stehen dazwischen. Wendet das Gericht nach Paragraf 105 JGG Jugendstrafrecht an, etwa bei einer Jugendverfehlung, gilt auch das Verbot aus Paragraf 79 Absatz 1 JGG (Paragraf 109 Absatz 2 JGG). Bei Erwachsenenstrafrecht ist ein Strafbefehl moeglich, eine Freiheitsstrafe auf Bewaehrung darf er gegen Heranwachsende aber nicht festsetzen (Paragraf 109 Absatz 3 JGG). Weitere Sonderregeln stehen im Beitrag zu Cannabis unter 21.

Brauche ich einen Anwalt?

Das Gesetz schreibt einen Verteidiger nur in bestimmten Faellen vor. Erwaegt der Richter, eine Freiheitsstrafe auf Bewaehrung per Strafbefehl festzusetzen, bestellt er dir nach Paragraf 408b StPO einen Pflichtverteidiger, wenn du noch keinen hast. Daneben kennt Paragraf 140 StPO die notwendige Verteidigung, etwa bei einer Hauptverhandlung vor dem Schoeffengericht oder wenn wegen der Schwere der Tat oder einer schwierigen Sach- oder Rechtslage ein Verteidiger geboten erscheint.

Kostenlos ist ein Pflichtverteidiger nicht automatisch: Wirst du verurteilt, gehoeren die an ihn gezahlten Betraege zu den Verfahrenskosten. Ansetzen kann ein Verteidiger bei der Akteneinsicht, bei der Pruefung von Menge, Gewicht und Wirkstoff, bei der Frage nach einer Einstellung und bei der Vertretung in der Hauptverhandlung. Ob du das brauchst, ist deine Entscheidung, Empfehlungen fuer bestimmte Kanzleien geben wir nicht.

Die 7 Fristen im Ueberblick

  • Frist 1: Einspruch binnen zwei Wochen nach Zustellung, schriftlich oder zu Protokoll der Geschaeftsstelle (Paragraf 410 Absatz 1 StPO).
  • Frist 2: Die Zustellung startet die Frist, beim Briefkasten schon mit dem Einlegen (Paragraf 180 ZPO); das Ende berechnet Paragraf 43 StPO.
  • Frist 3: Wiedereinsetzung binnen einer Woche nach Wegfall des Hindernisses, Einspruch in derselben Woche nachholen (Paragrafen 44 und 45 StPO).
  • Frist 4: Akteneinsicht verlaengert die Einspruchsfrist nicht (Paragraf 147 StPO).
  • Frist 5: Die Beschraenkung auf die Tagessatzhoehe erlaubt einen Beschluss ohne Hauptverhandlung (Paragraf 411 Absatz 1 StPO).
  • Frist 6: Ruecknahme bis zur Urteilsverkuendung, nach Verhandlungsbeginn nur mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft; kein Verschlechterungsverbot (Paragraf 411 Absatz 3 und 4 StPO).
  • Frist 7: Beitreibung fruehestens zwei Wochen nach Faelligkeit, Raten moeglich, zwei Tagessaetze entsprechen einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe (Paragraf 459c StPO, Paragrafen 42 und 43 StGB).

Haeufige Fragen zum Strafbefehl bei Cannabis

Was ist ein Strafbefehl?

Eine Verurteilung ohne Hauptverhandlung. Das Amtsgericht setzt bei einem Vergehen auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Rechtsfolgen schriftlich fest, zum Beispiel eine Geldstrafe (Paragraf 407 StPO). Ohne rechtzeitigen Einspruch steht der Strafbefehl einem rechtskraeftigen Urteil gleich.

Wie lange habe ich Zeit fuer den Einspruch gegen einen Strafbefehl?

Zwei Wochen ab Zustellung (Paragraf 410 Absatz 1 StPO). Der Einspruch muss in dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll der Geschaeftsstelle bei dem Gericht eingelegt sein, das den Strafbefehl erlassen hat. Eine Begruendung ist nicht vorgeschrieben.

Muss ich einer Vorladung der Polizei wegen Cannabis folgen?

Fuer Beschuldigte nennt die StPO eine Erscheinenspflicht nur bei Ladungen der Staatsanwaltschaft (Paragraf 163a Absatz 3 StPO). Bei jeder Vernehmung darfst du schweigen und vorher einen Verteidiger befragen (Paragraf 136 StPO). Fuer Zeugen gelten andere Regeln.

Kann ich den Einspruch auf die Tagessatzhoehe beschraenken?

Ja. Paragraf 410 Absatz 2 StPO erlaubt die Beschraenkung auf bestimmte Beschwerdepunkte. Bei einer Beschraenkung auf die Hoehe der Tagessaetze kann das Gericht mit Zustimmung aller Beteiligten ohne Hauptverhandlung entscheiden und darf nicht zu deinem Nachteil abweichen.

Kann die Strafe nach einem Einspruch hoeher werden?

Ja. Soweit Einspruch eingelegt ist, ist das Gericht an den Strafbefehl nicht gebunden (Paragraf 411 Absatz 4 StPO). Den Einspruch kannst du bis zur Urteilsverkuendung zuruecknehmen, nach Beginn der Hauptverhandlung aber nur mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft.

Steht ein Strafbefehl im Fuehrungszeugnis?

Eingetragen wird er im Bundeszentralregister. Ins Fuehrungszeugnis kommt eine Geldstrafe von nicht mehr als 90 Tagessaetzen nach Paragraf 32 Absatz 2 Nummer 5 BZRG nicht, wenn im Register keine weitere Strafe eingetragen ist.

Bekomme ich mein beschlagnahmtes Cannabis zurueck?

Wird die Einziehung rechtskraeftig, geht das Eigentum auf den Staat ueber (Paragraf 75 StGB). Nach dem Beschluss des Grossen Senats GSSt 1/24 darf auch die erlaubte Eigenbedarfsmenge eingezogen werden, das Gericht kann im Einzelfall aber nur einen Teil einziehen.

Was passiert, wenn ich die Geldstrafe nicht zahlen kann?

Ist dir die sofortige Zahlung nicht zuzumuten, kann die Staatsanwaltschaft als Vollstreckungsbehoerde eine Zahlungsfrist oder Raten bewilligen (Paragraf 42 StGB, Paragraf 459a StPO). Bleibt die Strafe uneinbringlich, folgt Ersatzfreiheitsstrafe: ein Tag fuer zwei Tagessaetze, je nach Landesrecht abwendbar durch freie Arbeit.

Fazit: Der Strafbefehl ist ein Urteil auf Papier

Ein Strafbefehl wegen Cannabis sieht aus wie ein Schreiben unter vielen, wirkt aber wie ein Urteil, wenn du nicht innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung reagierst. Die Fristen sind kurz und streng: zwei Wochen fuer den Einspruch, eine Woche fuer die Wiedereinsetzung, eine Woche Mindestabstand bis zur Verhandlung. Wer sie kennt, kann in Ruhe pruefen, statt unter Zeitdruck zu entscheiden.

Ob du den Strafbefehl hinnimmst, nur die Tagessatzhoehe angreifst oder es auf eine Hauptverhandlung ankommen laesst, ist eine Abwaegung zwischen Kosten, Oeffentlichkeit und dem Risiko einer hoeheren Strafe. Sicher ist: Oberhalb der Grenzen aus Paragraf 34 KCanG gelten die normalen Regeln des Strafverfahrens, mit allen Fristen, die dazugehoeren.

Stand Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen und ist keine Rechtsberatung. Fuer verbindliche Auskuenfte zu deinem konkreten Fall wende dich an eine Rechtsanwaeltin oder einen Rechtsanwalt. Unsere Produkte sind Aroma- und Sammlerprodukte und nicht zum Rauchen oder Verzehr bestimmt.