Cannabis-Arzt finden: 7 solide Schritte
Wer wegen einer bestehenden Erkrankung in Behandlung ist, stellt sich irgendwann eine nuechterne Frage: An welchen Arzt wende ich mich, wenn es um medizinisches Cannabis geht? Die Suche im Netz fuehrt vor allem zu Plattformen und Fachtexten fuer Praxen, ein neutraler Ablaufplan ist selten dabei. Dieser Leitfaden liefert ihn: sieben Schritte vom ersten Gespraech bis zum Folgerezept, belegt am Gesetzestext und an Primaerquellen.
Vorweg das Wichtigste: Ob Cannabis fuer dich infrage kommt, entscheidet allein die behandelnde Aerztin oder der behandelnde Arzt. Erkrankungen, Wirkungen, Dosierungen und Sorten findest du hier deshalb nicht, auch keine Hinweise darauf, was man in einer Praxis sagen sollte. Es geht nur um Ablauf, Recht und Kosten. Medizinische Fragen gehoeren in die Sprechstunde.
Zwei weitere Grundsaetze: Wir nennen und empfehlen keine Praxen, Plattformen oder Apotheken. Und wir trennen streng, was heute gilt, von dem, was geplant ist. Massgeblich sind das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) und das Fuenfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V). Der Gesetzentwurf aus Bundestags-Drucksache 21/3061 ist nicht in Kraft. Wie der Streit darum entstand, beschreibt unser Beitrag Cannabis auf Rezept: Der Telemedizin-Streit.

Warum „Cannabis-Arzt“ kein Fachbegriff ist
„Cannabis-Arzt“ klingt nach einem Facharzttitel, ist aber keiner. Die Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesaerztekammer in der Fassung vom 3. Juli 2026 kennt keine Facharzt-, Schwerpunkt- oder Zusatzbezeichnung mit diesem Namen. Das Wort Cannabis steht dort nur einmal, in der Kursliste einer Zusatz-Weiterbildung. Eine Pruefung, nach der sich ein Arzt offiziell so nennen duerfte, haben wir nicht gefunden. Auch „Cannabis-Praxis“ und „Cannabis-Sprechstunde“ sind Beschreibungen, keine Weiterbildungsbezeichnungen.
Was eine Praxis ankuendigen darf, regelt Paragraf 27 der Muster-Berufsordnung (MBO-Ae), darunter als solche gekennzeichnete Taetigkeitsschwerpunkte. Ein Schwerpunkt darf nicht mit einer geregelten Weiterbildung verwechselbar sein, und die Aerztekammer kann auf Verlangen Unterlagen pruefen. Ein solcher Hinweis ist also eine Angabe zur Taetigkeit, kein Titel.
Die MBO-Ae ist allerdings ein Muster. Rechtswirkung entfaltet sie laut Bundesaerztekammer erst, wenn die Aerztekammern sie als Satzung beschliessen und die Aufsicht sie genehmigt. Massgeblich ist daher die Berufsordnung des jeweiligen Bundeslands, die im Detail abweichen kann.
Schritt 1: Klaeren, wer ueberhaupt verschreiben darf
Die Grundregel steht in Paragraf 3 Absatz 1 MedCanG: Cannabis zu medizinischen Zwecken darf nur von Aerztinnen und Aerzten verschrieben werden. Zahnaerztinnen und Zahnaerzte sowie Tieraerztinnen und Tieraerzte sind ausdruecklich ausgeschlossen. Eine bestimmte Fachrichtung, eine Zusatzausbildung oder eine Sonderzulassung nennt die Vorschrift nicht. Rechtlich kommt damit jeder Arzt infrage, nicht nur eine spezialisierte Praxis. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker gehoeren nach diesem Wortlaut nicht dazu.
Ein besonderes Betaeubungsmittelrezept ist laut Bundesgesundheitsministerium nicht mehr erforderlich. Eine Ausnahme nennt die Kassenaerztliche Bundesvereinigung (KBV): Nabilon wird weiter auf dem Betaeubungsmittelrezept verordnet.
„Darf“ heisst allerdings nicht „muss“: Aus der Befugnis folgt keine Pflicht zu verschreiben. Welche legalen Bezugswege es ausserhalb einer Behandlung gibt, zeigt die Uebersicht Cannabis legal kaufen.
Facharzt oder Hausarzt: was das Gesetz unterscheidet
Fuer das Recht zu verschreiben spielt es keine Rolle, ob du beim Hausarzt oder beim Facharzt sitzt. Relevant wird der Unterschied erst auf Kassenrezept. Nach Paragraf 31 Absatz 6 SGB V braucht die erste Verordnung grundsaetzlich die Genehmigung der Krankenkasse, ausser eine vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bestimmte Fachaerztin oder ein solcher Facharzt verordnet. Diese Gruppen stehen in Anlage XI der Arzneimittel-Richtlinie.
Laut KBV zaehlen dazu unter anderem die Allgemeinmedizin und die Innere Medizin, die vollstaendige Liste steht auf ihrer Themenseite. An den Voraussetzungen fuer den Anspruch aendert das nichts (Paragraf 45 Absatz 3 der Richtlinie). Freiwillig kann der Arzt die Genehmigung trotzdem einholen, bei unklaren Voraussetzungen empfiehlt die KBV das ausdruecklich.
Beim Privatrezept faellt dieser Schritt weg, weil keine Kasse beteiligt ist. Ob fuer dich eher ein Hausarzt oder ein Facharzt passt, ist keine Rechtsfrage, sondern eine medizinische, die du mit deinem Arzt klaerst.
Schritt 2: Beim Arzt deines Vertrauens anfangen
Der naheliegende Anfang ist dort, wo deine Krankengeschichte bekannt ist. Eine Rechtspflicht ist das nicht. Aber dein bisheriger Arzt kennt deine Befunde und Therapien und kann dir sagen, ob er das Thema selbst betreut oder dich weiterleitet.
Formal vorbereiten kannst du zum Beispiel:
- Befundberichte und Arztbriefe aus frueheren Behandlungen
- eine Uebersicht deiner bisherigen Therapien und aktuellen Arzneimittel, falls vorhanden den Medikationsplan
- deine Versichertenkarte oder die Angaben zu privater Versicherung und Beihilfe
- deine Fragen zu Ablauf, Kosten und Folgeterminen
Fehlende Unterlagen kannst du anfordern. Nach Paragraf 630g BGB hast du auf Verlangen Anspruch auf Einsicht in deine vollstaendige Behandlungsakte und auf Abschriften, die erste Abschrift ist kostenlos. Eine Ablehnung ist nur in engen Ausnahmen zulaessig und zu begruenden.
Eine Regel ist hier besonders wichtig: Bleib bei den Tatsachen. Nach Paragraf 25 Absatz 1 Nummer 1 MedCanG macht sich strafbar, wer unrichtige oder unvollstaendige Angaben macht, um fuer sich oder einen anderen eine aerztliche Verschreibung von Cannabis zu erlangen. Der Strafrahmen reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, auch der Versuch ist strafbar. Der Wortlaut unterscheidet nicht zwischen Sprechstunde und Online-Fragebogen.
Wenn der Arzt ablehnt: deine Moeglichkeiten
Nach Paragraf 7 Absatz 2 MBO-Ae sind Aerztinnen und Aerzte, von Notfaellen oder besonderen rechtlichen Verpflichtungen abgesehen, frei, eine Behandlung abzulehnen. In der Kassenpraxis ist der Spielraum enger: Der Vertragsarzt darf sie laut Paragraf 13 Absatz 7 Bundesmantelvertrag-Aerzte nur in begruendeten Faellen ablehnen. Eine Behandlung abzulehnen und ein bestimmtes Arzneimittel nicht zu verschreiben, sind aber zwei Dinge.
Zum Arzneimittel greift der Bundesgerichtshof (BGH) einen Grundsatz des Gerichtshofs der Europaeischen Union auf: Ein verschreibender Arzt darf ein Arzneimittel nach den Berufsregeln nicht verschreiben, wenn es fuer die Behandlung seines Patienten nicht geeignet ist (Urteil vom 26. Maerz 2026 - I ZR 74/25). Paragraf 7 Absatz 8 MBO-Ae verbietet zudem, einer missbraeuchlichen Verwendung der Verschreibung Vorschub zu leisten. Einen Anspruch auf eine Cannabis-Verordnung durch einen bestimmten Arzt haben wir in keiner Vorschrift gefunden.
Was du danach tun kannst:
- Nachfragen: Nach Paragraf 630c Absatz 2 BGB muss dir der Arzt die fuer die Behandlung wesentlichen Umstaende verstaendlich erlaeutern, etwa Diagnose und Therapie.
- Weitere Meinung: Den begruendeten Wunsch, eine weitere Aerztin oder einen weiteren Arzt hinzuzuziehen oder ueberwiesen zu werden, soll der behandelnde Arzt in der Regel nicht ablehnen (Paragraf 7 Absatz 2 MBO-Ae).
- Wechsel: Du darfst deinen Arzt frei waehlen. Gesetzlich Versicherte sollen innerhalb eines Quartals aber nur aus wichtigem Grund wechseln (Paragraf 76 Absatz 3 SGB V).
Schritt 3: Kasse oder privat klaeren
Seit dem 30. Juli 2026 nennt Paragraf 31 Absatz 6 SGB V als Kassenleistung nur noch Cannabis in Form von Extrakten in standardisierter Qualitaet sowie Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon. Getrocknete Blueten gehoeren nicht mehr dazu, gesetzlich Versicherte zahlen sie auf Privatrezept selbst. Wer bisher Blueten auf Kassenrezept erhielt, muss laut KBV umgestellt werden; dafuer ist eine erneute Genehmigung noetig, ausser bei den befreiten Arztgruppen.
Fuer den Kassenweg gelten nach dem Wortlaut diese Eckpunkte:
- Anspruch: nur bei einer schwerwiegenden Erkrankung und wenn die weiteren Voraussetzungen aus Satz 1 erfuellt sind.
- Reihenfolge: zunaechst ein zugelassenes cannabishaltiges Fertigarzneimittel im Rahmen eines sechsmonatigen Therapieversuchs.
- Genehmigung: bei der ersten Verordnung vor Beginn der Leistung; die Kasse darf sie nur in begruendeten Ausnahmefaellen ablehnen.
- Frist: zwei Wochen ab Antragseingang, vier Wochen bei einem Gutachten, drei Tage in bestimmten Sonderfaellen.
- Keine neue Genehmigung: wenn der Arzt nur die Dosierung anpasst oder zu anderen Extrakten in standardisierter Qualitaet wechselt.
Offen ist, wie der Therapieversuch genau zu verstehen ist. Die KBV legt ihn nach erneuter Pruefung so aus, dass in jedem Fall zunaechst ein Fertigarzneimittel zu verordnen ist, auch ausserhalb des zugelassenen Anwendungsgebiets. Eine zuvor mit dem GKV-Spitzenverband geteilte Auffassung vertritt sie nicht mehr. Wer bereits eine Therapie mit cannabishaltigen Arzneimitteln erhaelt, ist laut KBV von dieser Regel nicht betroffen, auch ohne Fertigarzneimittel. Die Arzneimittel-Richtlinie nennt in Paragraf 44 (Fassung vom 3. Oktober 2026) noch Blueten; massgeblich ist das Gesetz.
Der Privatweg kommt ohne Antrag und Genehmigung aus, dafuer traegst du die Kosten fuer das Arzneimittel selbst. Die Preisformel erklaert unser Beitrag Cannabis aus der Apotheke.
Der Kassenantrag: was „begruendete Einschaetzung“ bedeutet
Was „schwerwiegend“ heisst, definiert der G-BA in Paragraf 44 Absatz 5 der Richtlinie: Die Krankheit ist lebensbedrohlich oder beeintraechtigt aufgrund der Schwere der verursachten Gesundheitsstoerung die Lebensqualitaet auf Dauer nachhaltig. Eine Liste bestimmter Erkrankungen enthalten weder das Gesetz noch dieser Abschnitt der Richtlinie. Es kommt auf den Einzelfall an, den zuerst dein Arzt beurteilt.
Das Bundessozialgericht (BSG) hat dazu am 10. November 2022 in vier Urteilen Massstaebe gesetzt, darunter B 1 KR 28/21 R. Laut Pressemitteilung des BSG muss der behandelnde Arzt den Krankheitszustand umfassend dokumentieren, Therapiealternativen analysieren sowie Erfolgschancen und Risiken sorgfaeltig abwaegen. Die Kasse darf das nur daraufhin pruefen, ob die Grundlagen vollstaendig und nachvollziehbar sind und das Ergebnis nicht voellig unplausibel ist. Die Urteile ergingen zur frueheren Fassung; die „begruendete Einschaetzung“ steht weiter im Gesetz.
Lehnt die Kasse ab, bekommst du einen Bescheid. Dagegen ist der Widerspruch binnen eines Monats nach Bekanntgabe moeglich (Paragraf 84 Sozialgerichtsgesetz). Entscheidet sie nicht fristgerecht und teilt dir keinen hinreichenden Grund mit, gilt die Leistung nach Paragraf 13 Absatz 3a SGB V als genehmigt. Ob das in deinem Fall greift, klaert im Zweifel eine Rechtsberatung.
Privatversicherung und Beihilfe: was feststeht und was offen bleibt
Paragraf 31 SGB V gilt nur fuer die gesetzliche Krankenversicherung. Eine private Krankenversicherung erstattet nach Paragraf 192 Absatz 1 VVG im vereinbarten Umfang die Aufwendungen fuer medizinisch notwendige Heilbehandlung. Fuer Cannabis haengt das also von Vertrag und Tarif ab, eine allgemeine Regel haben wir nicht gefunden. Bei voraussichtlich mehr als 2.000 Euro kannst du vorab in Textform Auskunft verlangen (Absatz 8).
Fuer die Beihilfe des Bundes erklaert Paragraf 22 der Bundesbeihilfeverordnung aerztlich verordnete apothekenpflichtige Arzneimittel grundsaetzlich fuer beihilfefaehig, eine eigene Regel zu Cannabis enthaelt die Vorschrift nicht. Ob deine Beihilfestelle Blueten oder Extrakte anerkennt, konnten wir nicht abschliessend klaeren, die Regeln der Laender haben wir nicht einzeln geprueft. Frag vorab schriftlich nach.
Schritt 4: Eine Praxis suchen
Hilft dein bisheriger Arzt nicht weiter, gibt es neutrale Wege. Ein amtliches Verzeichnis von Praxen, die Cannabis verordnen, haben wir nicht gefunden. Auch die Arztsuche der 116117 hilft bei diesem Stichwort nicht: Am 6. November 2026 meldete das Feld „Wen oder Was?“ bei der Eingabe „Cannabis“ den Hinweis „Suchbegriff nicht gefunden“. Du suchst dort also nach Fachrichtung und Ort, nicht nach einer Therapie.
Der zweite neutrale Weg fuehrt ueber die Kammern. Die Bundesaerztekammer verweist auf eine Uebersicht der Arztsuchdienste je Bundesland. Aerztekammern und Kassenaerztliche Vereinigungen seien „die Einrichtungen, die als einzige die validen Angaben ueber die Qualifikation der in Deutschland taetigen Aerzte haben“. Das hilft auch beim Pruefen: Fuehrt ein Arzt die genannte Facharztbezeichnung wirklich?
Gesetzlich Versicherte erreichen ueber die 116117 ausserdem die Terminservicestellen. Termine beim Hausarzt gehen laut KBV ohne Code, fuer viele Fachrichtungen brauchst du eine Ueberweisung mit Vermittlungscode. Vermittelt wird ein Termin, keine bestimmte Therapie. Am Telefon kannst du sachlich klaeren:
- Nimmt die Praxis neue Patientinnen und Patienten an?
- Befasst sie sich mit Cannabisarzneimitteln, auf Kassen- oder nur auf Privatrezept?
- Welche Unterlagen soll ich zum Termin mitbringen?
- Was kostet der Termin, falls er privat berechnet wird?
Schritt 5: Das Erstgespraech beim Arzt
Was verlangt das Gesetz von der Verschreibung? Das Wort „begruendet“ steht im geltenden Paragraf 3 MedCanG nicht, das wuerde erst der Gesetzentwurf einfuegen. Beliebig ist die Entscheidung trotzdem nicht. Die Behandlung hat nach Paragraf 630a Absatz 2 BGB den allgemein anerkannten fachlichen Standards zu entsprechen, soweit nichts anderes vereinbart ist. Fragen zu Vorgeschichte, Befunden und bisherigen Therapien sind deshalb kein Misstrauen, sondern Teil der Sorgfalt, die der Arzt schuldet.
Auch die Aufklaerung ist geregelt. Nach Paragraf 630e BGB muss der Arzt ueber Art, Umfang, Durchfuehrung, Folgen und Risiken der Massnahme aufklaeren und unter bestimmten Bedingungen auf Alternativen hinweisen. Das muss grundsaetzlich muendlich, rechtzeitig und verstaendlich geschehen, Unterlagen in Textform sind nur eine Ergaenzung. Deine Einwilligung kannst du jederzeit formlos widerrufen (Paragraf 630d Absatz 3 BGB).
Das Wesentliche kommt in die Behandlungsakte, die zehn Jahre aufbewahrt wird (Paragraf 630f BGB). Auf Kassenrezept verlangt die Richtlinie zusaetzlich, die Zweckmaessigkeit der Weiterbehandlung in den ersten drei Monaten engmaschig und danach regelmaessig zu beurteilen (Paragraf 44 Absatz 4).
Stellt der Arzt ein Rezept aus, muss es nach Paragraf 2 AMVV, auf den Paragraf 3 MedCanG verweist, unter anderem Name, Berufsbezeichnung, Praxisanschrift und Telefonnummer der verschreibenden Person nennen, dazu Datum, deinen Namen, Bezeichnung und Menge des Arzneimittels und die Unterschrift oder qualifizierte elektronische Signatur.
Was der Besuch beim Arzt kostet
Mit Versichertenkarte rechnet die Vertragspraxis grundsaetzlich nicht mit dir ab. Eine Verguetung darf der Arzt nach Paragraf 18 Absatz 8 Bundesmantelvertrag-Aerzte nur in engen Faellen fordern, etwa wenn du vor Beginn ausdruecklich eine Behandlung auf eigene Kosten verlangst und das schriftlich bestaetigst. Fuer das Arzneimittel auf Kassenrezept faellt nach Paragraf 61 SGB V die Zuzahlung an: 10 Prozent, mindestens 5 und hoechstens 10 Euro, jeweils nicht mehr als die Kosten des Mittels.
Privat gilt die Gebuehrenordnung fuer Aerzte (GOAe). Nach Paragraf 5 GOAe ergibt sich der Gebuehrensatz aus Punktzahl mal Punktwert von 5,82873 Cent, berechnet wird das Einfache bis Dreieinhalbfache, in der Regel hoechstens das 2,3-Fache. Ein Rechenbeispiel aus dem Gebuehrenverzeichnis, kein Marktpreis: Die eingehende Beratung nach Nummer 3 (mindestens zehn Minuten) hat 150 Punkte. Das ergibt 8,74 Euro einfach, 20,11 Euro beim 2,3-Fachen und 30,60 Euro beim 3,5-Fachen. Untersuchungen kommen gesondert dazu.
Ist nicht gesichert, dass ein Dritter die Kosten vollstaendig uebernimmt, muss dich der Arzt vor Beginn in Textform ueber die voraussichtlichen Kosten informieren (Paragraf 630c Absatz 3 BGB). Eine abweichende Gebuehrenhoehe braucht eine persoenliche Absprache und ein Schriftstueck vor der Leistung (Paragraf 2 GOAe). Und die Rechnung muss Datum, Nummer, Bezeichnung, Betrag und Steigerungssatz nennen (Paragraf 12 GOAe). Preise einzelner Anbieter nennen wir nicht, und ob Pauschalen im Netz zu diesen Regeln passen, koennen wir nicht allgemein beurteilen.
Schritt 6: Telemedizin nuechtern pruefen
Ist ein Rezept per Videosprechstunde erlaubt? Nach geltendem Recht ist das nicht von vornherein ausgeschlossen, denn das MedCanG schreibt heute keinen persoenlichen Arztkontakt vor. Die Berufsordnung geht aber vom persoenlichen Kontakt aus. Eine ausschliessliche Behandlung ueber Kommunikationsmedien ist laut Paragraf 7 Absatz 4 MBO-Ae im Einzelfall erlaubt, wenn das aerztlich vertretbar ist, die Sorgfalt gewahrt bleibt und du ueber die Besonderheiten aufgeklaert wirst.
In der Kassenversorgung gibt es eine eigene Grenze. Nach Paragraf 11 der Anlage 31c zum Bundesmantelvertrag ist die Verschreibung von Arzneimitteln, die Suchterkrankungen ausloesen koennen, in der Videosprechstunde fuer unbekannte Patienten ausgeschlossen, mit einer engen Ausnahme. Unbekannt ist, wer in den letzten vier Quartalen keinen persoenlichen Kontakt in dieser Praxis hatte. Cannabis nennt die Anlage nicht ausdruecklich; die Begruendung des Entwurfs 21/3061 zieht die Regel als Vorbild fuer Blueten heran.
Anbieter duerfen ausserdem nicht alles bewerben. Fuer verschreibungspflichtige Arzneimittel verbietet Paragraf 10 Absatz 1 HWG Werbung beim Publikum. Der BGH hat das am 26. Maerz 2026 (Urteil, I ZR 74/25) auf ein Portal angewendet, das Beschwerden nannte und daran Behandlungsanfragen bei kooperierenden Aerzten knuepfte. Produktnamen waren dafuer nicht noetig. Das Urteil betrifft die Werbung, nicht die Behandlung. Mehr dazu steht in unserer Uebersicht der Cannabis-Urteile.
Warnzeichen bei Angeboten im Netz
Keines dieser Zeichen beweist fuer sich einen Rechtsverstoss. Sie sind aber gute Gruende, genauer hinzusehen:
- Rezept-Garantie: Die Entscheidung obliegt laut BGH ausschliesslich Aerzten. Wer ein Rezept vorab zusagt, nimmt vorweg, was erst der Arzt entscheiden kann.
- Fragebogen ohne Rueckfrage: Die Aufklaerung muss grundsaetzlich muendlich erfolgen, und eine ausschliessliche Fernbehandlung setzt gewahrte Sorgfalt voraus.
- Kein erkennbarer Arzt: Das Rezept muss Name, Berufsbezeichnung, Anschrift und Telefonnummer der verschreibenden Person tragen. Fehlt vorab jede Angabe dazu, frag nach.
- Kopplung an eine Apotheke: Paragraf 11 ApoG verbietet Apotheken Absprachen mit Aerzten oder Dritten ueber die Zuweisung von Verschreibungen, auch elektronischer. Dritte duerfen Verschreibungen nicht gegen einen Vorteil sammeln oder vermitteln. Auch ein Arzt darf dich nicht ohne hinreichenden Grund an bestimmte Apotheken verweisen (Paragraf 31 Absatz 2 MBO-Ae).
- Beschwerden-Listen mit Anfrage-Button: Genau diese Verbindung war der Kern des BGH-Falls.
- Hinweise auf „passende“ Angaben: Falsche oder unvollstaendige Angaben sind nach Paragraf 25 MedCanG strafbar.
Schau auch ins Impressum. Im BGH-Fall standen laut Pressemitteilung das Portal, eine Grosshaendlerin und ein Marktplatz fuer Versandapotheken im selben Konzernverbund, und das Portal wurde von den Aerzten verguetet. Das sagt nichts ueber eine einzelne Behandlung, aber du solltest es wissen.
Was sich politisch aendern koennte: Drucksache 21/3061
Dieser Abschnitt beschreibt einen Entwurf, kein geltendes Recht. Die Bundesregierung will Paragraf 3 MedCanG neu fassen (Drucksache 21/3061). Verschreiben duerfte der Arzt dann nur, wenn die Anwendung medizinisch begruendet ist. Blueten duerften nur nach persoenlichem Kontakt in der Praxis oder beim Hausbesuch verschrieben werden, Folgeverschreibungen ohne neuen Kontakt nur, wenn ein solcher Kontakt mit Verschreibung in den letzten vier Quartalen liegt. Der Versand von Blueten an Endverbraucher waere unzulaessig.
Beschlossen ist das nicht. In der Bundestags-Datenbank DIP stand der Vorgang am 6. November 2026 auf „Ueberwiesen“. Der Bundestag beriet am 18. Dezember 2025 in erster Lesung, der Gesundheitsausschuss hoerte am 14. Januar 2026 Sachverstaendige an. Achte bei Meldungen ueber ein angeblich geltendes Versandverbot deshalb auf das Datum.
Schritt 7: Rezept einloesen und Folgerezept planen
Eingeloest wird das Rezept nur in einer Apotheke, und nur dort darf das Arzneimittel gegen Vorlage der Verschreibung abgegeben werden (Paragraf 3 Absatz 2 MedCanG). Welche das ist, entscheidest du: Apotheken sind Absprachen ueber die Zuweisung untersagt, und gesetzlich Versicherte koennen nach Paragraf 31 Absatz 1 SGB V unter den Vertragsapotheken frei waehlen. Rezeptinhalt und Versand erklaert der genannte Apotheken-Beitrag.
Die Gueltigkeit steht auf dem Rezept. Fehlt die Angabe, gilt es drei Monate (Paragraf 2 Absatz 5 AMVV). Fuer Kassenrezepte setzt Paragraf 11 Absatz 4 der Arzneimittel-Richtlinie eine kuerzere Grenze: Belieferung zu Lasten der Kasse laengstens 28 Tage nach Ausstellung. Nach Paragraf 4 Absatz 3 AMVV kann der Arzt auf einem so gekennzeichneten Rezept bis zu drei weitere Abgaben erlauben, jeweils in derselben Packungsgroesse.
Fuer ein neues Rezept entscheidet erneut der Arzt. Eine feste Frist fuer den naechsten Termin nennt das MedCanG heute nicht. Eine erneute Kassengenehmigung braucht es laut KBV bei Folgeverordnungen und beim Arztwechsel nicht.
Das Rezept gilt nur fuer dich, denn es nennt die Person, fuer die das Arzneimittel bestimmt ist. Die Ausnahme von der Erlaubnispflicht in Paragraf 5 MedCanG erfasst den Erwerb auf Verschreibung, nicht die Weitergabe. Wer ohne Erlaubnis abgibt, riskiert eine Strafe nach Paragraf 25 Absatz 1 Nummer 3 MedCanG.
Schweigepflicht und Datenschutz: wer was erfaehrt
Was du deinem Arzt sagst, bleibt grundsaetzlich bei ihm. Nach Paragraf 203 StGB macht sich strafbar, wer unbefugt ein fremdes Geheimnis offenbart, das ihm als Arzt oder Apotheker anvertraut wurde oder sonst bekannt geworden ist. Paragraf 9 MBO-Ae regelt dieselbe Pflicht berufsrechtlich und nennt auch Ausnahmen.
Anders ist es beim Kassenweg: Der Genehmigungsantrag muss laut KBV begruendet sein, also erfaehrt die Kasse Einzelheiten, bei einem Gutachten auch der Medizinische Dienst. Wer privat zahlt und nichts einreicht, stellt keinen solchen Antrag. Im Blick behalten solltest du auch die elektronische Patientenakte gesetzlich Versicherter: Laut Bundesgesundheitsministerium enthaelt sie eine automatisiert erstellte Medikamentenuebersicht aus dem E-Rezept. Du kannst der Akte widersprechen und einzelnen Aerztinnen und Aerzten den Zugriff verweigern.
Rezept und Fuehrerschein
Am Steuer gilt eine eng gefasste Sonderregel. Nach Paragraf 24a Absatz 4 StVG sind der Cannabis-Grenzwert und die verwandten Tatbestaende nicht anzuwenden, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemaessen Einnahme eines fuer einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herruehrt. Paragraf 24c Absatz 3 StVG enthaelt dieselbe Ausnahme. Cannabis aus anderen Quellen faellt nicht darunter, und fahrtuechtig muss laut Bundesgesundheitsministerium jeder sein. Sprich die Fahrfrage mit deinem Arzt an.
Die Einzelheiten, auch zu moeglichen Gutachten, stehen in Kiffen und Autofahren und MPU nach Cannabis, den Ablauf einer Kontrolle beschreibt Drogentest der Polizei.
Rezept und Reisen
Mit dem Rezept ist die Reise noch nicht geregelt. Das Bundesinstitut fuer Arzneimittel und Medizinprodukte weist darauf hin, dass medizinisches Cannabis in der ueberwiegenden Zahl der Schengen-Staaten weiter als Betaeubungsmittel gilt. Fuer Schengen-Reisen bis zu 30 Tagen fuellt der behandelnde Arzt eine Bescheinigung nach Artikel 75 aus, die vor der Abreise amtlich zu beglaubigen ist. Alle Schritte erklaert unser Ratgeber Reisen mit Cannabis.
Rezept, Arbeit und Uni
Am Arbeitsschutz aendert ein Rezept nichts. Das Bundesgesundheitsministerium verweist auf die DGUV Vorschrift 1: Versicherte duerfen sich nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich oder andere gefaehrden koennen, und das gelte fuer legale und illegale Drogen und Medikamente gleichermassen. Betriebsaerztinnen und Betriebsaerzte unterliegen nach Paragraf 8 ASiG der aerztlichen Schweigepflicht.
Paragraf 24 MedCanG erklaert die Verbote aus Paragraf 5 Absatz 2 KCanG fuer den oeffentlichen Konsum von medizinischem Cannabis mittels Inhalation fuer entsprechend anwendbar. Die Orte erklaert unser Beitrag Wo darf man kiffen? Zu Hochschulen und Hausordnungen gibt es einen Abschnitt in Cannabis an der Uni.
CBD-Aromablueten: Dafuer brauchst du keinen Arzt
Ein ganz anderes Thema sind CBD-Aromablueten aus EU-Nutzhanf. Sie sind Aroma- und Sammlerprodukte fuer Erwachsene ab 18 Jahren, nicht zum Rauchen oder Verzehr bestimmt, und ihr Reiz liegt in Duft, Sortenvielfalt und Handwerk. Rezept und Praxisbesuch sind dafuer nicht noetig, zu jeder Charge gibt es eine Laboranalyse. Mit einer Behandlung haben sie nichts zu tun: Medizinische Fragen gehoeren zu deiner Aerztin oder deinem Arzt. Die Abgrenzung erklaert Medizinalcannabis oder CBD?, die Auswahl findest du bei unseren CBD-Blueten.
Haeufige Fragen zum Cannabis-Arzt
Welcher Arzt verschreibt Cannabis?
Jeder Arzt darf es nach Paragraf 3 MedCanG, eine bestimmte Fachrichtung verlangt die Vorschrift nicht. Zahnaerzte und Tieraerzte sind ausgeschlossen. Ob er es im Einzelfall tut, ist seine medizinische Entscheidung.
Kann jeder Hausarzt Cannabis verschreiben?
Rechtlich ja, auch als Privatrezept. Auf Kassenrezept entfaellt bei der Allgemeinmedizin und der Inneren Medizin laut KBV sogar der Pflichtantrag bei der Kasse. Ein Anspruch auf ein Rezept folgt daraus nicht, die Entscheidung bleibt beim Arzt.
Gibt es eine Liste mit Cannabis-Aerzten in der Naehe?
Ein amtliches Verzeichnis haben wir nicht gefunden, und die Arztsuche der 116117 kannte das Stichwort Cannabis am 6. November 2026 nicht. Suche nach Fachrichtung und Ort und frag in der Praxis nach.
Was kostet ein Termin beim Arzt fuer ein Cannabis-Rezept?
Mit Versichertenkarte zahlst du den Termin grundsaetzlich nicht selbst. Privat richtet sich das Honorar nach der GOAe: Die eingehende Beratung nach Nummer 3 liegt beim 2,3-Fachen bei 20,11 Euro, Untersuchungen kommen dazu. Das Arzneimittel wird gesondert bezahlt.
Zahlt die Krankenkasse medizinisches Cannabis?
Extrakte in standardisierter Qualitaet sowie Arzneimittel mit Dronabinol oder Nabilon unter den Voraussetzungen von Paragraf 31 Absatz 6 SGB V, getrocknete Blueten seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr. Die erste Verordnung braucht grundsaetzlich eine Genehmigung, die Versorgung beginnt mit einem sechsmonatigen Therapieversuch.
Darf ein Arzt die Verschreibung ablehnen?
Ja. Die Entscheidung liegt laut BGH ausschliesslich bei Aerzten, einen Anspruch auf ein bestimmtes Rezept haben wir nicht gefunden. Du kannst nachfragen, eine weitere Meinung einholen oder zu einem anderen Arzt wechseln.
Ist ein Rezept per Videosprechstunde erlaubt?
Das MedCanG verbietet es heute nicht. Die Muster-Berufsordnung erlaubt ausschliessliche Fernbehandlung im Einzelfall unter Bedingungen. Der Entwurf 21/3061 wuerde fuer Blueten einen persoenlichen Kontakt vorschreiben, ist aber nicht in Kraft (Stand 6. November 2026).
Wie lange gilt ein Cannabis-Rezept?
So lange, wie darauf angegeben. Fehlt die Angabe, gilt es nach Paragraf 2 Absatz 5 AMVV drei Monate. Zu Lasten der Kasse kann die Apotheke laengstens 28 Tage nach Ausstellung beliefern. Weitere Abgaben sind nur moeglich, wenn der Arzt das auf dem Rezept vorsieht.
Fazit: Der richtige Arzt ist eine Frage des Ablaufs
Einen „Cannabis-Arzt“ als Fachtitel gibt es nicht. Verschreiben darf nach Paragraf 3 MedCanG jede Aerztin und jeder Arzt, ausser in der Zahn- und Tiermedizin. Der Weg ist geordneter, als die Angebote im Netz vermuten lassen: beim vertrauten Arzt beginnen, Kasse oder privat klaeren, neutral suchen, das Erstgespraech vorbereiten, Telemedizin pruefen, das Rezept einloesen und den Folgetermin planen.
Offen bleiben vor allem die Politik und einzelne Auslegungsfragen: Der Entwurf 21/3061 ist nicht beschlossen, und die Kassenregel vom Juli 2026 wird unterschiedlich ausgelegt. Achte bei Meldungen deshalb auf das Datum und hole dir bei medizinischen Fragen Rat bei deinem Arzt, bei rechtlichen in einer Rechtsberatung.
Stand November 2026. Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen und ersetzt weder eine aerztliche noch eine rechtliche Beratung. Wir empfehlen keine Praxen, Plattformen oder Apotheken. Unsere Produkte sind Aroma- und Sammlerprodukte fuer Erwachsene ab 18 Jahren und nicht zum Rauchen oder Verzehr bestimmt.
